Fachbeitrag aus Zeitschrift "advace"
Mit drehzahlgeregelten Getriebemotoren und einem offenen Automatisierungssystem wurden die Sicherheitseinrichtungen und das Fördersystem der Rheinseilbahn auf den neuesten Stand gebracht.
Rucklos auf das Seil
Die Kölner Seilbahn ist eine sogenannte Zweiseilumlaufbahn mit Pufferbahnhöfen an beiden Enden der Strecke. Insgesamt sind 45 Kabinen im Umlauf, die im Betrieb je nach Bedarf auf das Seil geführt und zum Aussteigen wieder ausgeschleust werden. 2002 automatisierte PBI die Kabinenverzögerer und Ausstiegsförderer mithilfe von Getriebemotoren von Siemens. Außerdem wurde eine Simatic S7-400 als Kopfsteuerung für die Visualisierung, Diagnose, Betriebsmeldungen und weitere Funktionen der Anlage installiert. Um den Betrieb noch sicherer und wirtschaftlicher zu gestalten und die erneut verschärften EU-Bestimmungen zum Personenschutz zu erfüllen, wurde in der Winterpause 2006/2007 die Sicherheitstechnik der Bahn noch einmal erweitert. Bisher wurde zu Fahrtbeginn jede Kabine auf einer Gefällestrecke auf die Geschwindigkeit des Zugseiles beschleunigt, das die auf dem Tragseil laufenden Kabinen zieht. Dafür klemmen sich zwei Mitnehmer mit mechanisch betätigten Federn – und heute elektronisch überwachtem Anpressdruck – auf das umlaufende Zugseil. Diese an sich einfache und betriebssichere Methode hat den entscheidenden Nachteil, dass die Bahn praktisch nur mit einer einzi gen Seilgeschwindigkeit gefahren werden konnte. Wenn – beispielsweise aufgrund von starkem Wind – die Bahngeschwindigkeit reduziert werden musste, führte das an den Zugseilen zu vergrößertem Verschleiß durch Reibung und Ruck, da diese den Geschwindigkeitsunterschied auffangen mussten.
Der Anlagenbauer PBI rüstete die Bahn mit zwei frequenzgesteuerten Getriebemotoren vom Typ 2KG3 von Siemens mit je 5,5 kW Nennleistung, Bremse und Lüfter aus, die jetzt die Beschleunigung der Kabinen auf die Zugseilgeschwindigkeit über eine Reibräderstrecke übernehmen. Geregelt werden die Motoren durch einen Frequenzumrichter Simovert Masterdrives MC Kompakt Plus, der die Kabinen am Ende der Beschleunigungsstrecke genau auf die aktuelle Seilgeschwindigkeit beschleunigt, so dass sich die Mitnehmer praktisch ruckfrei auf dem Zugseil festklemmen können. Dadurch wird das Zugseil geschont und die Seilgeschwindigkeit ist nun in einem weiten Bereich wählbar. Das gewährleistet den Betrieb der Seilbahn auch bei Wind, da die Geschwindigkeit den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden kann. Die Schonung der Zugseile verbuchen die Betreiber ebenfalls als großes Plus: „Der größte Kostenfaktor an einer Seilbahn sind die Seile. Eine schonende Behandlung von Tragund Zugseil wirkt sich unmittelbar auf den Erhaltungsaufwand und die Wirtschaftlichkeit der Bahn aus“, erklärt Markus Draeger, stellvertretender Betriebsleiter der Kölner Seilbahn.
Leere Kabinen auf den „Stapel“
Der Transport der leeren Kabinen in den Pufferbahnhöfen erfolgt heute mit sogenannten Stapelförderern. Bisher schob das Bahnsteigpersonal die Kabinen mit der Hand vom Ausstieg auf das Puffergleis bzw. von dort wieder zum Einstieg. Die Stapelförderer erleichtern diese mühsame Arbeit ganz wesentlich. Insgesamt gibt es drei Stapel- und einen Startförderer in jeder Station, die aus mehreren 2KG3-Getriebemotoren mit 0,37 kW bis 1,1 kW Leistung bestehen. Jeder dieser Getriebemotoren treibt je ein Reibrad an, das die Kabine langsam weiterbefördert. Alle Motoren eines Stapelförderers werden dabei drehzahlsynchron betrieben – wiederum an Masterdrives-Umrichtern.
Enge Platzverhältnisse und wenig Zeit
Für die beiden umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen
von 2002 und 2007
stand vergleichsweise wenig Zeit zur Verfügung.
Denn während der Betriebspause
der Bahn im Winter mussten neben den
turnusmäßigen Wartungsarbeiten, den
umfangreichen mechanischen Umbauten
und der Automatisierung auch die Prüfung
und Abnahme aller sicherheitstechnischen
Einrichtungen durch den TÜV
stattfinden.
Erschwerend kam hinzu, dass die Platzverhältnisse
in den Stationen sehr beengt
sind, sowohl was den Stellplatz für Schaltschränke
als auch das Anbringen zusätzlicher
Einrichtungen an den Führungstraversen
der Kabinen betrifft. Hier halfen
der kompakte Aufbau und die einfache
Montage der verwendeten Getriebemotoren,
die Modernisierung innerhalb der
engen Zeitspanne zu bewältigen. Joachim
Liesmann, Geschäftsführer der Firma PBI,
will auf diesen Vorteil nicht mehr verzichten:
„Die ausgewählten Getriebemotoren
bewährten sich schon bei den ersten Probeläufen.
Nach dem erfolgreichen Abschluss
dieses Projektes werden wir diese Produkte
auch zukünftig bevorzugt einsetzen.“
Dank ihrer Kompaktheit fanden die
Umrichter entweder Platz in den vorhandenen
Schaltschränken oder konnten dezentral
an geeigneten Orten in der Station
platziert und per Profi bus in die Automatisierung
eingebunden werden.
